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Konzertreview
The Hottentots (Carl
Cleves & Parissa Bouas)
Einem Konzertreview
haftet leider stets die Tragik an, dass es nahezu unmoglich ist,
die Faszination zu beschreiben, die einen wahrend und noch lange
nach einem Konzert spirituell beseelt. Ich will dennoch den Versuch
unternehmen, diesem grossartigen Live-Event gerecht zu werden.
Angeregt durch ein
paar Videoschnipsel und Songfragmente, die durch Zufall den Weg
zu mir fanden, habe ich dem Konzert der Hottentots dennoch mit
eher gemischten Gefuhlen entgegengesehen. Was soll man von einer
Band erwarten, die sich ăThe Hottentots" nennt? Australier, die
sich nach einem sdafrikanischen Volksstamm benennen? Fr einen
Provinzler wie mich ist Polen und Portugal auch die gleich Kante!
Egal, ich gehe erstmal hin.
Was sich dann auf der
Buhne im Cottbuser Piccolo-Theater ereignete, stellte sich als
musikalischer Glucksfall und Hhepunkt des Jahres 2007 heraus.
Sollte ich etwas Artverwandtes anfuhren, dann erinnert mich Carl
Cleves am ehesten an Hermann van Veen. Seine kongeniale Partnerin
Parissa Bouas ist stimmlich wie auch im Temperament einer Miriam
Makeba sehr ahnlich. Soweit sind erstmal die musikalischen Koordinaten
verortet. Die Blickrichtung der Songs zielt zumeist auf Folk und
rhythmische Traditionals ab. Reste von gestern?
Nein, ganz und gar
nicht. Denn Carl Cleves & Parissa Bouas sind musikalisch nicht
stehen geblieben, sondern bieten ein Repertoire mit Uberraschungsmomenten
en masse. Die ungeheuer modulationsfahige Stimme von Parissa,
lassen die Arrangements in einem zusatzlichen Glanz erscheinen.
Das uberwiegend aus der Feder von Carl Cleves stammende Songmaterial
hat das Potential fur die Ewigkeit zu sein. Fur seinen Song, ăThe
Bethlehem Bell Ringer" wurde er zuletzt mit dem australischen
Music Award geehrt. Diese Wertschatzung wird nur wenigen zuteil
und lasst die kunstlerische Potenz dieses Ausnahmemusikers erahnen.
Behutsam und leichfussig,
trocken, aber stets hochenergetisch, zwischen zarter Poesie und
World-Music, fordert dieses Duo unwiderstehliche, kitschfreie
Melodien zu Tage, die unter die Haut gehen.
Nach einem Konzert
von Carl Cleves & Parissa Bouas fuhlt man sich aufs angenehmste
ăchloroformiert", jedoch bleiben keine Kopfschmerzen zuruck, sondern
Sehnsuchte in Tone gegossen. Unnotig zu erwahnen, dass es sich
gleichzeitig um zwei der sympathischsten Erscheinungen seit Adam
und Eva handelt. Grosse Kunst, besondere Empfehlung!
Gerhard
Wenzel, Redakteur Melodie & Rhythmus
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